Lückenwachstum

lückenwachstumVor ein paar Jahren hab ich meinen besten Freund verloren. Nicht tragisch bei einem Autounfall oder so. Er hat mich halt einfach nicht mehr so lieb gehabt wie vorher. Oder wie ich ihn.
Seitdem bin ich immer irgendwie dabei, diese Lücke zu stopfen. Ich übe Yoga wie blöd, schau ob ich mehrere Freunde gleichzeitig in meine Lücke packen kann, dass wenns schon einer allein nicht schafft, meine kratermäßige Wunde zu füllen, dann vielleicht alle zusammen. Verknalle mich völlig hirngespinstmäßig in Künstler / spirituell angehauchte Männer / Männer, die so cool sind, dass sie auch weiblich-sensibel sein dürfen, ohne gleich schwul zu sein. Und die natürlich nix von mir wollen.
Und das alles, weil ich mich mal bei jemandem auf eine bestimmte Weise gefühlt hab, wie ich mich vorher halt noch nie gefühlt hab. Und weil er der erste war, der bei mir das Gefühl gemacht hat, dass ich nicht mehr allein bin auf der Welt.
Und weil ich ihn verloren hab, such ich schon die ganze Zeit nach irgendwas irgendwem, wo ich mich wieder so fühle, wie ichs damals getan hab.
Von einem Freund hab ich den Rat bekommen, ich soll mal aufhören mit dieser Sucherei und lieber anfangen, meine Lücke selber zu füllen. Klar, hab ich schon tausendmal irgendwo gelesen und mich dann lieber wieder in jemanden verknallt, weil das so schön einfach ist und weil die Welt dann halt wieder nen Tick magischer wird. Ohne dass ich viel dazu tun müsste.
Jetzt mal ehrlich: sich seine Lücke selber füllen ist scheißschwer. Und es tut weh. Diese Leere auszuhalten anstatt sich mal schnell junkfoodmäßig mit irgendwelchen Dramagefühlen vollzustopfen, damit man die Leere nicht so arg spürt.
Ich frage mich, wie viele Leute das tun: sich ablenken mit irgendwas, mit Freizeitspäßen, Fernsehgucken, Hobbies und anderen netten Sachen, nur um nicht spüren zu müssen, was tatsächlich abgeht.
Also Plan: in meine eigene Lücke reinwachsen. Mich mit mir selber füllen. Das heißt dann quasi auch, dass ich mich – vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben – selber mögen darf. Sonst hab ich lieber andere mit Nettigkeiten überhäuft, in der Hoffnung, dass sie mich dann arg mögen, wiederum in der Hoffnung, dass ich mich dann selber mehr mag. Nach einer solchen Woche war ich so erschöpft, als wäre ich nen Marathon gelaufen, hätte eine 70-Stunden-Woche gehabt und Fünflinge daheim.
Dass das aufhören muss, ist klar. Ein erster Schritt könnte sein: sich bei jeder einzelnen Entscheidung / Begegnung fragen: fühlt sich das für mich richtig an?